15. Mai 2015 Kommentar von Christian Felsenreich: Machtlose FMA!?

Wenn es nicht so traurig wäre und so viel kosten würde, man könnte es tatsächlich als Schwank bezeichnen. Täglich hören wir via U-Ausschuss, dass bei der Finanzmarkaufsicht (FMA) leider niemand verantwortlich zu machen sei für all das Zu- und Wegschauen beim Hypo-Desaster. Und das obwohl hochbezahlte und mit allen Privilegien ausgestattete Spitzenkräfte am Werke waren, deren definierte Aufgabe es war genau so einen Wahnsinn zu verhindern.

Interessant dbzgl. die Aussagen von Christian Saukel seines Zeichen Chef bei der FMA: „Ja, er sei betroffen zumal er ja auch Steuerzahler sei“ (also einer von uns). Der Unterschied ist nur, dass er persönlich am Ende des Spiels als Nettogewinner  aussteigt: Er hat sich durch sein Schweigen und Wegschauen keine Schwierigkeiten eingehandelt und damit seinen Topposten nicht gefährdet – da ist es doch ein Klax seinen Steuer-Anteil von all den Goodies abzurechnen…so einfach ist das!

Leider offenbart diese Banalität (des Bösen!?) den abgrundtiefen Opportunismus und die Unfähigkeit und Ängste der meisten Menschen. Das ist die wahrlich traurige Dimension. Die, die zurecht auf Missstände aufmerksam machen werden hochkant rausgeworfen – die, die sich konformistisch verhalten werden auch noch befördert. Diese Form von Negativselektion ist überall, aber vor allem in einem Risikomanagement tödlich, weil die grundlegenste Form der Auseinandersetzung mit den Bedrohungen nicht gewährleistet ist. Nämlich die objektive Beurteilung. Übrig bleibt die jahrelange Pseudoauseinandersetzung – bis zum ultimativen Crash.

Offenbar hat ja eine strenge Hierarchie und ausladende Selbstbeschäftigung durch interne Machtkämpfe zwischen den Prüfern der Österreichischen Nationalbank (OeNB) und der FMA gegeben. Und jetzt am Schluss folgt das große gemeinsame Aussitzen – denn juristisch ist da eh nicht wirklich was zu befürchten. Es geht, wie wir in unseren Büchern versuchen darzustellen, nie um die Sache sondern immer um die Befindlichkeit. Ein solcherart Risikomanagement ist nicht nur nicht effektiv es gaukelt (oder sollte man ironischerweise sagen saukelt) einem jahrelang Sicherheit vor, wo gar keine ist. Wo bleibt der Fokus auf den Faktor Mensch, wie wir das schon seit Jahren fordern?

Eine Behörde die dermaßen versagt hat, hat eigentlich ihre Existenzberechtigung verloren könnte man meinen. Umso befremdlicher ist es, dass unter all diesen Umständen gerade jetzt dem Waldviertler Schuhunternehmer Heini Staudinger der Exekutor ins Haus geschickt wird, um offensichtlich ein Exempel zu statuieren und zu beweisen, wie effektiv und ordnungsbewusst die Behörde zu unser aller Sicherheit arbeitet. Das kann doch nur als Affront bezeichnet werden!