7. Juni 2015 Kommentar Christian Felsenreich „Deutsche Bank, wie bist du krank!“

Allein die Überschrift des ORF Artikels zu den Skandalen der Deutschen-Bank die nun zum Rücktritt der beiden Vorstände Jürgen Fitschen und Anshu Jain geführt hat spricht Bände. „Teure juristische Pleiten“ lautet sie. Dies impliziert, dass es (leider!?) trotz höchstem Aufwand an so genannten Rechtsvertretern nicht gelungen ist, all die Schweinereien vom Tisch zu bekommen. Die Liste ist elend-lang das zutage gekommene liest sich wie der Steckbrief einer Verbrecherorganisation: Geldwäsche im ganz großen Stil, bewusste Zinswetten zulasten der eigenen Kunden, Manipulation des Libor-Zinssatzes… Ich habe mich schon 2012 in unserem Buch „Der korrupte Mensch“ mit Jain und dem Libor-Skandal auseinandergesetzt. Hier ein Auszug:

Im so genannten Libor-Skandal haben die Händler der wichtigsten internationalen Großbanken die Messlatten für internationale Geldgeschäfte – eben den Libor und den für Europa maßgeblichen Euribor jahrelang zu ihrem Vorteil manipuliert. Eine Tatsache, die laut internationalen Kommentaren sämtliche jemals aufgeflogenen Banken-Malversationen, was Umfang und Größe betrifft, in den Schatten stellt. Österreich spielt darin, ob seiner Größe, keine tragende Rolle, ermittelt wird gegen sämtliche internationale Bankriesen, in Deutschland steht, wie so oft, die Deutsche Bank im Zentrum der Fahnder. Und mit ihr, der seit Mai 2012 im Amt weilende Co-Chef der Bank – der Inder Anshu Jain. Dieser, ein laut Medienberichten, wie sein Vorgänger Ackermann, ausgewiesener „Geldmacher“, behauptet nun, von all dem nichts gewusst zu haben. So sind es aber gerade zwei seiner ehemaligen Mitarbeiter, die als aktive Manipulierer verdächtigt werden. Sie unterstanden Jain, dem früheren Leiter des Investmentbankings am Finanzplatz London, zu der Zeit der Manipulationen.[…]

Auch wenn es polemisch erscheinen mag und es Hrn. Jain so sicher nie und schon gar nicht öffentlich über die Lippen kommen würde – seine Message hier zu sagen, er hätte von nichts gewusst, ist wie aus dem Schwerverbrecher-Milieu, wo nur zugegeben wird, was überhaupt nicht mehr abgestritten werden kann. Sie lautet also übersetzt: Gelogen muss natürlich werden, dass ist klar, man ist doch ein Profi. Außerdem, was wollen die eigentlich? Es haben doch alle gemacht. So ist die Welt. Die „Warmduscher“ werden es halt nie begreifen. Wir machen nur unseren (beinharten) Job. Die, die immer voller Neid auf uns blicken, sollten lieber schauen, dass sie selbst einmal etwas auf die Reihe kriegen. So what? Ich bin zwar ein millionenbezahlter so genannter Verantwortungs- und Leistungsträger: Was in meiner Abteilung an grundsätzlichen Dingen passiert ist, weiß ich allerdings nicht. Was meine nächsten Untergebenen so treiben? Keine Ahnung! Wenn sie krumme Dinge gemacht haben, auch wenn dies im Sinne der ganzen Bank war – das müssen sie ganz alleine verantworten. Ich mime Enttäuschung ob ihrer Korruptheit, das wird wohl reichen. Na und, bin trotzdem Chef geworden, oder gerade deswegen. Beweist mir das Gegenteil. Ich bleibe hier stehen so lange es nur irgendwie geht und kassiere weiterhin meine Boni. Hinter mir die Sintflut!

Der Höhepunkt der Perfidie ist ja, dass dem kleinen Mann jahrzehntelang erklärt wurde, dass die Rechtfertigung für die andauernd steigenden exorbitanten Gehälter und Boni der „Spitzenkräfte“ darin läge, dass im Gegensatz zu den „kleinen Angestellten“ ein Höchstmaß an Verantwortung getragen werde. Wie jetzt sichtbar wird, ist genau das Gegenteil der Fall. Das Verhältnis von hemmungslosem und zerstörerischem Tun, dem Verschieben und Umverteilen von Geld von unten nach oben mit den korruptesten und ausbeuterischsten Praktiken, verhält sich zu den daraus erzielten Remunationen zum Großteil proportional. Das fatale daran ist auch, dass noch dazu diese Machenschaften dem kleinen Mann als Profitum verkauft werden. So müssten halt „richtige“ Geschäftsmänner sein. Im Grunde ist es allerdings, wie dieses Buch ja ausführlich beschreibt, eine Fähigkeit die auf nichts anderem fußt als auf einer tiefen emotionalen Unfähigkeit.

Zur absoluten Farce wird dadurch auch die allseits bemühte Phrase, dass Bankgeschäfte doch Vertrauensgeschäfte wären. Während dem Komplott, das von 2005 bis 2008 angedauert hat, haben weltweit Millionen Kunden, große wie kleine, Kredite aufgenommen. Menschen, die sich mit solch einem Kredit zum Beispiel den Traum vom eigenen Haus verwirklichen wollen und die nun ein Leben lang dafür arbeiten werden um diesen abzuzahlen. Sie sind allesamt von der Deutschen Bank und Co betrogen worden, einfach so, quasi freihändig, weil es halt gerade gepasst hat. Wenn allerdings ein solch kleiner „Häuselbauer“ diese, seine Kreditraten nicht mehr bedienen kann, kommen sofort Zinseszins, Mahn- Bearbeitungs- und Eintreibegebühren auf ihn zu. Und möglicherweise noch ein kleiner moralischer Hinweis darauf, dass man halt auch die Verantwortung dafür tragen müsse zurückzuzahlen, was man sich ausgeborgt hätte. Und, dass das Haus nun möglicherweise bald weg sein könnte. Rest-Schulden bleiben natürlich trotzdem – so seien nun halt mal die Spielregeln.[…]

Wie die tatsächlichen Machtverhältnisse mittlerweile aussehen, kann über den von Fekter, Merkel & Co gebetsmühlenartig wiedergegebenen Kommentar „die Staaten (also wir alle) müssten das Vertrauen der Finanzmärkte wiedergewinnen“ abgelesen werden. Dies stellt nachgerade eine der perversesten Umkehrungen dar. Die Finanzmärkte müssten in Wirklichkeit beweisen, dass sie nach all dieser geradezu wahnhaft herbeigeführten Destabilisierung des ganzen Systems unser Aller Vertrauen wiedergewinnen. Und wenn sie dazu nicht in der Lage oder willens sind, müssten die politischen Autoritäten ihnen den Platz zuweisen, der ihnen per Definition zusteht. Nämlich der Wirtschaft und der Masse der darin tätigen Menschen zu dienen und nicht umgekehrt.

Meine LIBORS ähm meine Lieben: Es ist doch ganz klar sichtbar. Das war und ist keine Finanzkrise die wir durchlaufen – das ist Finanzkriminalität und Korruption der allerersten Güte. Warum dann die Deutsche Bank nicht den Weg der Hypo-Alpe-Adria gegangen ist und auch nicht gehen wird. Ganz einfach – nicht weil dort die kriminelle Energie entscheidend geringer ist oder war, sondern weil sie noch viel grösser und einflussreicher ist und sich niemand leisten wagt eine solche Bank über die Klinge springen zu lassen. Es stimmt also was Andreas Schnauder im STANDARD einmal so treffend formuliert hat. „Wir befinden uns in der Geiselhaft der Banken!“

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