14. Jänner 2013 Kommentar Christian Felsenreich: „Ernst ist das Lachen vergangen“

Ernst Strasser 2Auch wenn das Urteil noch nicht rechtskräftig ist, weiter die Unschuldsvermutung aufrecht bleibt und abzuwarten gilt, wie die nächsten Instanzen entscheiden: Die Vorlage von Richter Olschak ist doch bemerkenwert. 4 Jahre Haft und das ohne möglichen Milderungen für den Ex-EU-Abgeordneten und Ex-Innenminister der Republik Österreich. Der für seine Strenge und pointierten Urteilsbegründungen in solchen Causen bekannte Gerichtsvorsitzende (Ex-ÖIC-General Jungwirth fasste 5 Jahre unbedingt aus und wurde einer „widerwärtigen, altösterreichischen Funktionärsmentalität“ bezichtigt) wählte auch diesmal eindeutige Worte: „Wenige Menschen hätten dem Ansehen Österreichs so viel Schaden zugefügt.“ Auch die Behauptung Ernst Strassers, er habe die Journalisten für Geheimdienstagenten gehalten und sie bzw. ihre Hintermänner aufdecken wollen, zählte Olschak „wohl zum Abenteuerlichsten, was mir in meiner 20- jährigen Erfahrung untergekommen ist“. Und weiter: „Sie werden in Österreich kein Gericht finden, das diese Version glauben wird.“

Man kann die 4 Jahre Haft als Signal gegen Korruption, vielleicht sogar als Maßstab für künftige Verfahren, verstehen und viele Menschen empfinden sicher den heutigen Tag  als einen Schritt in die richtige Richtung. Auch Max Edelbacher und ich haben am Beginn des Prozesses in einem ORF-Interview unserer Verwunderung über die unglaubwürdige Verdeitigungsstrategie Strassers Ausdruck verliehen. Dementsprechend fühlt sich gerade Max Edelbacher, der ja bekanntlich in seiner damaligen Position als Leiter des Wiener Sicherheitsbüros sehr unter dem ihm vorgesetzten Innenminister gelitten hat, im jetzigen Gerichtsurteil über seine Einschätzung der Person Strasser bestätigt.

ME - ORF ZIB24 27.11.12

CF - ORF ZIB24 27.11.12 

Das ZIB 24-Interview sehen sie HIER! 

Allerdings, wichtiger als das Gefühl der Genugtuung und der Feststellung, dass man Gott sei Dank in diesem Staat doch noch auf eine funktionierende Gerichtsbarkeit hoffen kann und Politker wie Strasser für ihre Machenschaften zur Verantwortung gezogen werden, wäre der Herausforderung nachzukommen, all das pro-aktiv zu verhindern. Eine der wesentlichten Aussagen in unserem Buch „Der korrupte Mensch“ ist ja, dass das Wissen über all die menschlichen Unzulänglichkeiten der dann Verurteilten, schon immer in den jeweiligen Organisationen (in dem Fall Parteien) vorgelegen hat. Und dass es sehr wichtig wäre, sich mit der Prävention und der Implementierung eines funktionierenden  Compliance-Management-Systemes zu befassen. Diesbezüglich interessant war heute eine der ersten Fragen des Gericht an die britische Aufdeckungsjournalistin Claire Newell. Warum man sich im EU-Parlament ausgerechnet Ernst Strasser ausgesucht hatte, um ihm eine (Korruptions-)Falle zu stellen? Die Antwort war unmissverständlich: „Sein Ruf war fraglich.“ Was letztlich genau dem folgt, was von mir schon in einem Interview in der Tiroler Tageszeitung gesagt wurde und wir drei Autoren in dem ersten STANDARD-Interview „Strasser ist für mich das personifizierte Böse“ genannt haben.

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